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Archiv für die Kategorie: ‘Der Foodscout trinkt …’

Zum Wohl!

In Der Foodscout trinkt ... am 22. Dezember 2012

Es ist mal wieder an der Zeit, ordentlich die Korken knallen zu lassen. Doch welche Flaschen sind der Festtage würdig? Foodscout Richard Kägi* verrät hier seine Top 3 – inklusive jeweiligem Verwendungszweck.

Zur Siesta mit der Liebsten (nachdem die lärmende Familie am Weihnachtstag den Brunch leer geräumt hat und endlich gegangen ist): J. Lassalle Rosé Brut sans année. Für mich der beste (bezahlbare) Rosé-Champagner! Winzige Produktion, nur einige tausend Flaschen, ausschliesslich aus Premier Cru und Grand Cru lagen. Echter Rosé, d.h. der Wein erhält seine blassrosa Farbe und den eleganten Roségeschmack durch Mazeration mit den Traubenhäuten und nicht durch profanes Zusetzen von Rotwein. Auch hervorragender Jahrgangs-Blanc de Blancs.

Zum Dinner mit der Familie der Liebsten - mit diesem Wein werden Sie endgültig zum Lieblings-Schwiegersohn: Salon Brut 1999 Blanc de Blancs. Aus einer Einzel-Grand-Cru-Lage in Le Mésnil sur Oger. Wunderbarer Winzer-Champagner, nur in den besten Jahren produziert, hat genügend Kraft und Finesse, um fast jedes Essen zu begleiten. Entwickelt mit zunehmendem Alter komplexe Aromen nach getoasteter Brioche, Haselnüssen und brauner Butter. Ein Erlebnis, das man sich einmal im Leben leisten muss.

Für die Sylvester-Party und den ersten Schluck am Morgen danach: Bollinger Brut Spécial Cuvée sans année. Es braucht so wenig, um sich wie 007 zu fühlen. Gut, mit dem Aston Martin warten wir noch ab, wie heuer der Bonus ausfallen wird. Unprätenziöse, klassische Cuvée aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Weinig, rauchig, mineralisch, leichte Toastnote. Kann man gar nicht genug kriegen.

Salon und Bollinger gibts bei globus.ch, J. Lassalle bei deligusto.ch. Speiselift-Tipp: Champagner geniessen wir am liebsten aus Gläsern von Lobmeyr.

*Der Autor: Richard Kägi, Foodscout und Einkäufer der delicatessa im Globus, reist seit über 16 Jahren um die Welt, auf der Suche nach Spezialitäten, Rezepten und den interessanten Menschen, die dahinter stehen.

Der (lange) Weg nach Moskau

In Der Foodscout trinkt ... am 5. September 2011

Draussen erschlägt einem die flirrende Hitze, hier drinnen herrscht Wohlfühltemperatur. Im Tasting-Room von Boekenhoutskloef, laut Weinguru Robert Parker das beste Weingut Südafrikas, erklärt mir Besitzer und Winemaker Marc Kent seine Weine. Natürlich belassen wir es nicht bei der Theorie und verkosten sämtliche seiner grossartigen Cuvees. Seit Jahren schaue ich jedes Jahr bei Marc vorbei, freue mich auf seine Gastfreundschaft, auf seine fantastischen Steaks und Ribs von seinem selbstgebastelten Grill, der eher einer Hebebühne gleicht. Und natürlich auf seinen Humor, so einzigartig wie seine Weine.

Diesmal bleibt es nicht bei seinen noblen Semillons und grossartigen Shiraz, die rund um sein Weingut ausserhalb von Frantschoek wachsen. „Probier den hier, was hälst du davon?“ Vor einigen Jahren kauften Kent und einige seiner Freunde erstklassiges Terroir im Languedoc, bewachsen mit teilweise uralten Reben. Die Domaine Gayda wurde umfassend modernisiert, neue Reben dazu gepflanzt und seither wird erfolgreich das Wein-Wissen der neuen Welt mit der Tradition und dem Terroir des Languedoc zu eigenständigen, hervorragenden Weinen verwoben. Ich probiere verschiedene Jahrgänge des Chef d’Ouevre von Gayda, ein rotes Kraftpaket namens Chemin de Moscou. „Wir wollten nicht einfach einen Klon unserer südafrikanischen Weine keltern. Von denen gibt es ja schon genug!“ Marc redet sich in Begeisterung. „Das Mikroklima auf Gayda ist ähnlich wie im Talkessel von Frantschoek, aber mit kühleren Nächten und weniger Niederschlägen. Dadurch gelingt es uns, Weine mit grosser Eleganz zu erzeugen, ohne dass sie ihre Herkunft verleugnen müssen. Hier werden seit jeher starke Tropfen gekeltert, oft alkoholisch oder unharmonisch. Unser Chemin de Moscou erinnert eher an einen Cote Rotie aus den nördlichen Rhonetal“. Was ich mit grossem Vergnügen bestätigte. Selten zuvor hat mich ein Rotwein aus dieser Appellation so begeistert. Ein Duft nach schwarzen Beeren, Veilchen, Tabak und feinstem Hermes-Sattelleder, unterlegt mit zartem Toastgeruch. Im Mund dann diese würzige Eleganz, gepaart mit nobler Fruchtigkeit, unterlegt mit einem reifen Taningerüst, das den Wein schon jetzt zum Genuss macht, aber auch noch grosses Potential für die nächsten Jahre verspricht. Kurzum, ein für diesen Preis aussergewöhnlich gelungener Wein.

Auf meine Bemerkung über den befremdlichen Namen seiner neuen Kreation lacht der begnadete Weinmacher. „Nach dem Riesenerfolg mit meinem Chocolate Block musste ein ähnlich prägnanter Name her. Wir haben uns die alten Katasterpläne der Rebberge von Gayda genau angeschaut. ‚Moscou‘ ist die Bezeichnung der Parzellen des Weinguts im amtlichen Grundstückverzeichnis, und auch die Strasse, die vom Weinberg zum Weinkeller führt, trägt diesen Namen. Die Herkunft des Namens hängt mit einem Baum zusammen, der früher dort stand, wo wir heute unsere Reben ziehen. Dieser wurde seinerzeit «Moskau-Baum» genannt und diente verirrten Flugzeugpiloten als Orientierungspunkt. Später wurde er zu einem Treffpunkt für die Leute aus der Umgebung. Während eines Unwetters wurde er jedoch vom Blitz getroffen und musste gefällt werden. Ihm zu Ehren trägt diese Cuvée seinen Namen. Und ja, nach Moskau verkaufen wir ihn auch schon“!

Zum Weingut gehören auch ein Hotel, ein exzellentes Restaurant und eine Weinschule. Dort weiht der Master of Wine Matthew Stubbs interessierte Besucher in die Geheimnisse der Domaine Gayda und ihrer Weine ein.

Chemin de Moscou 2008 | Syrah, Grenache, Cincault | Domaine Gayda, Languedoc-Roussillon | 75cl fr. 29.90 via Globus-Onlineshop

Der Autor: Richard Kägi, Foodscout und Einkäufer der delicatessa im Globus,
reist seit 16 Jahren um die Welt, auf der Suche nach Spezialitäten,
Rezepten und den interessanten Menschen, die dahinter stehen.