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Einmal in die Hand genommen, nie mehr weggelegt.
Als Kochbuchkritikerin ist man ja per se dazu genötigt zu kritisieren. Umso schöner, wenn dies einmal nicht nötig ist. «Home Made» von Yvette van Boven ist ein rundum gelungenes Kochbuch. Die holländische Köchin versammelt darin ihre Lieblingsrezepte und Ideen rund um den Gedanken, dass jeder kochen kann. Wie lässt sich Glace herstellen ohne Eismaschine? Wie kann man Frischkäse unkompliziert zubereiten, oder wie gelingen Senf, Likör oder geräucherter Fisch in der eigenen Küche? Yvette van Boven zeigt, dass es dazu zwar Experimentierfreude, aber keine Hexerei braucht. Und es macht Spass, ihr über die Schulter zu gucken. Zu sehen gibt es Einiges: ansprechende Fotos, phantasiereiche Illustrationen, handschriftliche Notizen und die sympathische Holländerin selbst am Werk. Hier merkt man, dass der Fotograf ein besonderes Verhältnis zur Köchin hat, so liebevoll und verspielt, wie er sie ablichtet – kurz, es ist ihr Mann. Was kitschig tönt, kommt keinesfalls klebrig daher, die Fotos sind wohltuend authentisch.
Und für den Hund?
Wie schon bei «Leon» beweist der DuMont-Verlag auch hier, dass ein gutes Kochbuch nicht nüchtern daher kommen muss. Das Layout ist so charmant und ansprechend wie der ganze Inhalt – und kein bisschen aufgesetzt oder zuviel des Guten. Belustigt haben mich die drei Rezepte am Ende des Kochbuchs für den Hund («Hähnchenkekse», «Leber-Leckerli» und «Doggy Biscuits») oder die gewagte Idee, ein Menü für einen Leichenschmaus vorzustellen. Zum Glück durfte ich um dieses Kapitel einen Bogen machen und dafür viel anderes ausprobieren: «Polentaküchlein mit Salbei, Ziegenkäse und Parmaschinken», «Cremige Knollensellerie-Safran-Suppe», «Parpadelle mit Kapern und würzigem Lammragout», «Risotto al limone», «Risotto mit roter Bete und Taleggio», «Marinade aus frischen Kräutern», «Oofs BBQ-Sauce», «Arabischer Lammburger» und selbstgemachter Senf.
Fazit: Ein Kochbuch, das ans Herz wächst. Bitte mehr davon!
«Home Made» ist im Buchhandel und für 45.90 Franken auf dumont-buchverlag.de erhältlich.
Weil es stolz macht und trotzdem so einfach ist, hier das Rezept um Senf selbst zu machen (im Originalwortlaut):
Senf machen

Sie haben wahrscheinlich nicht gedacht, dass es so einfach ist, Senf zu machen. Ich gebe Ihnen hier das Grundrezept für Senf, wenn Sie es einmal gemacht haben, denken Sie sich bestimmt auch neue Variationen aus mit Estragonessig, mit gerösteten Senfkörnern für ein nussigeres Aroma, mit Muskatnuss, mit Gewürznelken, mit Kümmel oder mit Knoblauch, Cayennepfeffer oder mit Honig anstelle von Zucker.
Den Zucker vorsichtig dosieren, nicht jeder mag es süss.
1. Für ein Glas brauchen Sie: 100 g Senfkörner, 200 ml Weissweinessig, 1 EL Kurkuma, 50 g Rohrzucker, Pfeffer und Salz.
2. Sie können die Senfkörner über Nacht im Essig einweichen, dann wird der Senf glatter. Aber das muss nicht unbedingt sein.
3. Die Senfkörner mit dem Essig in eine Küchenmaschine geben.
4. Die Gewürze und den Zucker dazugeben.
5. In 6 Minuten zu einer glatten Masse pürieren. Je länger Sie die Maschine laufen lassen, desto glatter wird der Senf.
6. Den Senf in die Gläser füllen, verschliessen und in den Kühlschrank stellen. Je länger Senf zieht, desto aromatischer wird er.
*Zu dieser Kolumne: Der Wert jedes Kochbuchs zeigt sich erst am Herd. Weil Kochbücher durch den Magen gehen, kocht Lilly Anderegg die Rezepte aus ausgewählten Büchern nach und gibt ein Urteil aus der Küche. Speiselift veröffentlicht die Kritiken im Monatsrhythmus.

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