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Wir lieben gutes Essen. Und alles drumherum.

Aus fremden Töpfen

In Books, Lillys Kochbuchkritik am 11. Juli 2012

Coverbild Kochbuch Vielfalt statt Eintopf von Jakob Sollberger, Copyright Werd-Verlag

Bewertung:
Ein grenzenloses Kochvergnügen. Lieber selbst behalten als verschenken.

Das Kochbuch «Vielfalt statt Eintopf» von Jakob Sollberger ist vielfältig wie eine Pralinenschachtel: Jedes Rezept verspricht ein anderes Geschmackserlebnis. Hier kochen Zugereiste aus aller Welt Gerichte aus ihrer Heimat. Dabei erzählen sie in kurzen Porträts, wie sie in die Schweiz kamen. Das liest sich spannend und sympathisch, besonders wenn sich nicht nur die kulinarischen, sondern auch die kulturellen Unterschiede bemerkbar machen. So erklärt Eneida von den Kapverden, dass die Menge der Zutaten (Meeresfisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch etc.) für ihre Fischsuppe keine Rolle spiele: «Wenn viele Leute kommen, nehmen Sie mehr von allem. Wenn wenige kommen, nehmen Sie wenig von allem.»

Sowieso, wer Knoblauch mag, wird dieses Kochbuch lieben. Kaum ein Rezept kommt ohne die Knolle aus, sei es italienisch oder indonesisch, thailändisch oder türkisch. Ich würde sogar behaupten, Knoblauch ist der gemeinsame Nenner in «Vielfalt statt Eintopf», sozusagen die integrierende Zutat in der multikulturellen Schweiz.

Es kochen Fatima aus Marokko, Ali aus dem Iran, Stéphanie aus Kamerun, Hector aus Chile, um nur einige der insgesamt vierzig Köche und Köchinnen zu nennen. Und es macht Spass, ihnen in den Kochtopf zu gucken, mehr über ihren Weg in die Schweiz zu erfahren und sich von ihrer Lebensfreude, die einem aus fast jedem Porträt entgegenlacht, anstecken zu lassen. So läuft mir von der Vorspeise bis zum Dessert das Wasser im Mund zusammen, und nach jeder Rezept-Praline überlege ich mir bereits, welche ich als nächstes probiere.

Fazit: «Vielfalt statt Eintopf» – das sind Kurzferien am Herd, und jedes Mal geht die Reise woanders hin.

«Vielfalt statt Eintopf» ist im Buchhandel und für 39.90 Franken direkt beim Werd Verlag erhältlich.

Passend zum Sieger der Fussball-WM präsentiere ich hier ein Rezept für Paella der Spanierin Meli aus «Vielfalt statt Eintopf» (im Originalwortlaut):

Paella
Spanischer Reiseintopf
Für 4 Personen

Rezeptbild Paella aus dem Kochbuch Vielfalt statt Eintopf

1 dl Olivenöl (oder weniger, aber so schmeckt es besser)
4 Scampi
4 Pouletschenkel
1 Chorizo, in Stücke geschnitten
1 mittlere Zwiebel, fein gewürfelt
1 Tomate, enthäutet und gewürfelt
1 Knoblauchzehe, gehackt
250 g Reis
1 kleine Büchse grüne Erbsen
250 g gekochte Miesmuscheln
1 l Fischsud oder Hühnerbouillon
Salz
1 g Safran

Zubereitung: Öl in einer Paella- oder Eisenpfanne erhitzen. Die Scampi darin braten und beiseite stellen. Chorizo und Poulet-Schenkel anbraten, beiseite stellen. Zwiebel, Tomate und Knoblauch im Öl anziehen und Reis zugeben. Fischsud oder Hühnerbouillon angiessen und nach Bedarf salzen. Safran mit etwas heissem Wasser anrühren und dazugiessen. Pouletschenkel hineingeben und 10 Minuten bei grosser Hitze kochen. Chorizo dazugeben und weitere 10 Minuten garen. Scampi, Muscheln und Erbsen beifügen und im Reis erhitzen.

Tipp: Vor dem Servieren ein paar Minuten ruhen lassen.

*Zu dieser Kolumne: Der Wert jedes Kochbuchs zeigt sich erst am Herd. Weil Kochbücher durch den Magen gehen, kocht Lilly Anderegg die Rezepte aus ausgewählten Büchern nach und gibt ein Urteil aus der Küche. Speiselift veröffentlicht die Kritiken im Monatsrhythmus.