Der Mensch liebt Gewohnheiten und Rituale. Ewige Kreisläufe, so sicher wiederkehrend wie der Mond am Nachthimmel. Wir erwarten sie und folgen ihren unhörbaren Anweisungen in unserem Unterbewusstsein. Ganz anders verhält es sich bei der Ernährung: Ihren sanften bis dringlichen Aufforderungen mögen wir nicht so recht Folge leisten. Umsomehr meldet sich dafür das schlechte Gewissen. Ist das Jahr noch jungfräulich, der letzte Bissen der weihnächtlichen Völlereien ist noch gar nicht richtig verdaut, dann nagt es am meisten. Mit den steigenden Temperaturen versickern aber alle Gedanken an Mässigung. Was kümmern uns dann Fehlbesiedelungen im Darm, katastrophale Leberwerte und explosive Blutdruckwerte in morschen Venen? Schliesslich besänftigen wir die Gewissensbisse mit Wellness und halbherzigen Fitness-Experimenten und schliessen sogar Diätwetten ab. Mit uns selbst, wohlgemerkt, nur so bleibt die Niederlage unbemerkt.
Das magische Wort heisst Detox. Entgiften. Entschlacken. Schröpfen, Hungern und Glaubersalz, das Explosive Abführen. Jeden Bissen vierzigmal kauen, mit dem Resultat, dass schon der Zweite garantiert kalt auf die Gabel kommt. Sich von hoch bezahlten Therapeutinnen mit heissem Schlamm bewerfen lassen, mit nichts als einem lächerlichen Einweg-Plastik-G-String bekleidet. Wir lassen uns stundenlang in stockfinstere und enge Wasssertanks einschliessen, um die Visionen von Salami und ofenwarmem Brot aus unseren Gedanken zu verscheuchen. Keine Qual lassen wir aus, geht es um die Wiederfindung unseres Wohlergehens.
Glücklicherweise gibt es auch weniger radikale Methoden, um die unangenehmen Auswirkungen von Wein, Wurst und Pasta etwas abzufedern. Denn auf diesen drei Säulen ist mein Leben aufgebaut, davon abrücken steht ausser Frage. Hier nun kommt der Detox-Tee der französischen Manufaktur Kusmi ins Spiel. Kann ein Produktename ein noch unmissverständlicheres Versprechen abgeben? Wohl kaum. Der Geschmack ist erstaunlich frisch und delikat. Der subtil herbe Unterton kommt vom Mate, botanisch keine Teepflanze, sondern ein profanes (Un-)Kraut, das in den Pampas von Südamerika wächst. Die Gauchos dort machen daraus ein entsetzlich bitteres Gebräu und saugen es mit versilberten Trinkröhrchen aus kalebassenähnlichen Behältern. Trinken sie den Tee in der Gruppe, lassen sie das Gefäss herumgehen, das sieht dann wie bei Indianern aus, die ihre Friedenspfeife rauchen. Es ist sozusagen das Nationalgetränk Argentiniens, alle dort lieben ihren Mate-Tee. Und wenns auch nur darum ist, weil das Kraut an jeder Ecke wächst. Dem Kusmi Detox wird aber zusätzlich japanischer Grüntee, natürliches Zitronenaroma und Zitronengras beigemischt, das lenkt die Bitterkeit in eine andere, bekömmlichere Richtung und verstärkt den exotischen Touch.
Entschlackend und blutreinigend soll er sein, gekauft wird er aber wohl auch aufgrund der lifestylig grünen Verpackung, die zudem noch praktisch ist. So macht uns doch das Entgiften entschieden mehr Spass! Nicht, dass es uns mit derselben Freude erfüllt wie das VERgiften, aber ein tägliches Tässchen Kusmi Detox ist mir um einiges sympathischer als das völlig undenkbare Dinner Cancelling oder ein radikales Wein-Pasta-Wurst-Verbot.
In der ***delicatessa erhältlich: Kusmi Detox, Dose 125g Fr. 19.90
Text: Richard Kägi; Foto: Dominique Schütz – ursprünglich erschienen in marmite- der unabhängigen Schweizer Zeitschrift für Ess- und Trinkkultur. Die neueste Ausgabe ist ab sofort erhältlich. Mehr Infos hier.
Tipp: Jedem Tea sein Pot! Wir empfehlen die Teekanne des dänischen Labels Ferm Living. Erhältlich in unserem Speiselift.com-Shop!